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2026 – Ein Jahr der kleinen Rückeroberung und großer Verantwortung

  • Autorenbild: Silvia Meck
    Silvia Meck
  • 1. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Ein persönlicher Blick auf das kommende Jahr


Ein neuer Tag,  neues Jahr, neuer Anfang.
Ein neuer Tag, neues Jahr, neuer Anfang.

Am Silvesterabend wurde ich gefragt, ob ich Vorsätze für 2026 hätte. Kurze Antwort, Ich habe keine. Ich habe gelernt, dass Vorsätze das Leben kaum vorhersehen können – und dass vieles, was uns prägt, sich nicht einfach in Ziele oder Pläne pressen lässt.


In meinem Leben habe ich vieles verloren: Tanz, Klavier, Ausdruck – nicht nur durch Traumata, sondern auch durch unterschiedliche körperliche Herausforderungen. Das, was mich einst ausgemacht hat, hat mich geprägt: Es war meine Grundbasis, die mir viel Stärke und Lebendigkeit gegeben hat.


Mein Leben war voller Schmerz, Brüche und Überlebensstrategien – und gleichzeitig voller Kraft. Ich habe getanzt, Klavier gespielt, geleuchtet – und dann kam etwas, das dieses Licht lange Zeit nicht nur gedimmt, sondern zerstört hat, ohne dass ich es damals benennen konnte. Mein Körper hat instinktiv Schutzmechanismen entwickelt, um sich selbst zu bewahren. Diese Schutzmechanismen haben mich überleben lassen, und das ist kein Makel, sondern ein Zeichen von Stärke.

Nach Jahren der seelischen Ausheilung bin ich jetzt auf dem Weg, meinen Körper wieder für mich zurückzuerobern – Schritt für Schritt, in meinem Tempo, mit Rücksicht auf meine Grenzen. Ich spüre seit langem wieder, wie Bewegung, Klang, Ausdruck, Musik und Rhythmus mich verbinden, wie sie Resonanz in mir erzeugen.


2026 soll ein Jahr werden, in dem ich diese Verbindung zu mir selbst weiter aufbaue. Es geht nicht um Perfektion, nicht um alte Leistungen, nicht um Vorsätze. Es geht darum, wieder spürbar zu sein – in meinem Körper, in meinem Ausdruck, in meinem Leben.

Ich habe fast 56 Jahre Überlebens- und Entwicklungserfahrung. Ich gehe in 2026 nicht zurück, sondern vorwärts. Ich bin eine Frau die überlebt hat und jetzt lebt – mit Narben, mit Geschichte, mit Autonomie. Nach Jahren der seelischen Ausheilung bin ich jetzt endlich auf dem Weg, meinen Körper wieder für mich zurückzuerobern, ihm die Liebe zurückzugeben, die er verdient. Er hat mich all die Jahre getragen, er musste sich verändern, wurde verletzt, hat sich angepasst, aber er ist noch da. Ich lerne, ihm Raum zu geben, ihn anzuerkennen, seine Signale zu achten – und gleichzeitig wieder Heimat in ihm zu finden.


Ich teile das, weil ich glaube, dass Integrität nicht verschwindet. Sie verändert Form, sie passt sich an, sie lebt weiter in uns, in unseren Entscheidungen, in unserem Selbstbesitz. Mein Leben, meine Geschichte, meine Kraft – alles hat Narben, alles hat Tiefe, alles ist Teil von mir. Ich habe  begonnen, mir diese Kraft wieder bewusst zu machen – warm, langsam und echt.


Im vergangenen Jahr 2025 habe ich ganz bewusst Entscheidungen getroffen, um mich politisch weiterzuentwickeln und für die Themen einzustehen, die mir wichtig sind. Ich stehe für Vielfalt, für Inklusion und möchte mich dafür einsetzen, dass diejenigen, die nach mir kommen, nicht dieselben Erfahrungen machen müssen.

2026 werde ich aus dem Landesteilhabebeirat der Menschen mit Behinderung ausscheiden und freue mich gleichzeitig sehr über die Zusage für den Landesbetroffenenrat gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen.

Diese neue Aufgabe ist für mich ein weiterer Schritt, Verantwortung zu übernehmen, sichtbar zu sein und die Interessen derjenigen zu vertreten, die noch nicht gehört werden.


Neben der persönlichen Rückeroberung ist für mich mein politisches Engagement ein zentraler Teil meines Weges. Als Mitglied im Landesbetroffenenrat setze ich mich dafür ein, dass die bestehenden Handlungsempfehlungen umgesetzt werden. Darüber hinaus werde ich mich weiter dafür einsetzen, dass diejenigen, die keinen ausreichenden Schutz genießen konnten oder können, die Unterstützung bekommen, die sie brauchen – unabhängig von Kostenstrukturen oder bürokratischen Hürden.


Ein besonderer Fokus liegt für mich schon länger auf der Bekämpfung von Stigmata gegenüber Menschen mit psychiatrischen/ psychischen Diagnosen, denn jede*r, der/die Traumata erlebt hat, trägt Spuren davon – körperlich, seelisch und gesellschaftlich. Es geht mir darum, dass Vielfalt als Ganzes anerkannt wird, dass niemand ausgegrenzt wird, und dass Schutz, Teilhabe und Rechte systemisch gesichert sind.

Auch persönlich werde ich weiterhin aktiv handeln: mich wehren, rechtliche Mittel nutzen und mich gegen Täter-Opfer-Umkehr und andere Gewaltformen einsetzen. Mein Engagement ist ein Zeichen der Verantwortung für mich selbst und für andere, die solche Erfahrungen machen – ein Schritt, um Veränderungen zu bewirken, wo das System es bislang nicht ausreichend tut, oder gar selbst zum Täter wird.


Inklusion gelingt uns nicht, wenn die Haltung in der Gesellschaft fehlt. Die strukturellen Probleme – Kostenfragen, Barrieren, fehlende Unterstützung – sind nur die eine Seite. Die andere, oft unsichtbare Seite, ist die Haltung: wie wir aufeinander schauen, wie wir Unterschiede anerkennen und Menschen mit ihren Bedürfnissen wirklich respektieren.

Ich weiß, dass der Weg noch lang ist – persönlich wie gesellschaftlich. Jede kleine Rückeroberung, jede Entscheidung, jede Handlung zählt. Mein Tun, meine Stimme und mein Einsatz sind Schritte, um nicht nur mich selbst, sondern auch die Welt um mich herum ein Stück weit zu verändern. Für die Menschen, die nach mir kommen, für diejenigen, die Unterstützung brauchen, für eine Gesellschaft, die Haltung zeigt und echte Teilhabe ermöglicht.


2026 wird ein Jahr der kleinen Rückeroberungen, der Verantwortung und der bewussten Schritte – für mich, für andere, für das, was möglich ist, wenn wir hinsehen, handeln und verbinden.


Heute zum Neujahrstag 2026 wünsche ich allen ein gesundes, kraftvolles und erfülltes neues Jahr. Mögen wir kleine Schritte zurückgewinnen, uns selbst achten und Verantwortung für das übernehmen, was uns und anderen wichtig ist – in unserem Leben, in unserer Gesellschaft und für die Werte, die uns verbinden.


© Silvia Meck 01. Januar 2026

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