Zwischen gestern und morgen
- Silvia Meck

- 29. Jan.
- 1 Min. Lesezeit

Ich stehe im Flur zwischen gestern und morgen,
der Boden ist kalt von all den ungelebten Worten.
Meine Hände sind voll von dem, was ich trage,
und leer von dem, was ich eigentlich frage.
Ich zähle keine Türen mehr –
nur meine Schritte.
Was bleibt, wenn niemand fragt,
ist das, was ich mir selbst erbitte.
Ich klopfe nicht laut, ich will nicht stören,
ich lerne nur leise, das Schweigen zu hören.
Ein Haken an der Wand für mein Hoffen,
die Tür ist nicht zu, aber auch nicht offen.
Die Wände kennen meine Namen,
die Nächte meinen Atem.
Ich falle nicht in fremde Hände,
ich lerne, mich zu halten.
Ich bin stark genug, um alleine zu gehen,
und müde genug, um stehenzubleiben und zu sehen:
Dass Nähe manchmal ein weiter Weg ist,
und Einsamkeit nur ein anderer Name für „Ich vermiss“.
Ich trage Steine in den Taschen,
Baustellen in der Brust –
und gehe trotzdem weiter,
weil Stehenbleiben mehr kostet als Verlust.
Ich rufe nicht nach Rettung,
ich nenne nur, was ist:
Dass Nähe manchmal schweigt
und Einsamkeit mich nicht vergisst.
Unter all dem Lärm der Tage
bleibt eine leise Pflicht:
Mich selbst nicht zu verlassen –
auch wenn mich gerade niemand sieht.
Doch irgendwo flackert ein kleines Licht,
kein Versprechen, nur ein „Vergiss dich nicht“.
Ich nehme es mit, Schritt für Schritt,
und bleibe bei mir, wenn niemand mich sieht.
© Silvia Meck, 28. Januar 2026




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